Kaffee-Kapseln und die Müllberge

Kaffee-Kapseln stehen mittlerweile in der Kritik, für gewaltige Müllberge zu sorgen. Das aber stimmt nur teilweise beziehungsweise man muss hier unterscheiden. Es gibt Kapseln aus Plastik, beispielsweise das Dolce Gusto-System. Und es gibt Kapseln aus Aluminium. Hier wäre an erster Stelle das Nespresso-System zu nennen, dass auch eines der ältesten Kapselsysteme ist. Die Nespressokapseln, also „Becher“ und Deckel, sind tatsächlich vollständig aus Aluminium. Wenn diese Kapseln dem dualen System zugeführt werten – Du wirfst sie in den gelben Sacke, die gelbe Tonne – dann werden die Kapseln sortiert und zu Aluminium eingeschmolzen, dass dann wieder verwertet werden kann.

Kaffee-Kapseln aus Aluminium sind Wertstoff – theoretisch

Damit können diese Kapseln in einem Wertstoffkreislauf theoretisch unendlich oft wiederverwertet werden. Aber eben nur theoretisch. Dazu später mehr. Der verbrauchte Kaffee in den Kapseln liefert dabei bei der Pyrolyse (https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrolyse) sogar die thermische Energie zum Einschmelzen der Kapseln. Er wird also einfach mit „verheizt“. Der Nestlé-Konzern hat sein Nespresso-Kapselsystem seit 1993 beim Dualen System Deutschland lizenziert. Wer also das Nespresso-System benutzt, kann beim Recyceln des Wertstoffes Aluminium helfen, indem er seine Kapseln korrekt entsorgt. Das Recycling von Aluminium macht viel Sinn, weil dabei nur fünf Prozent der Energie benötigt wird, die für die Aufbereitung von als Rohstoff abgebautem Rohaluminium benötigt wird.

Dennoch ist Aluminium nicht unproblematisch

All das funktioniert aber nur, wenn die Aluminium-Kapseln auch tatsächlich dem Recycling zugeführt werden. Aber leider landen viele der Aluminium-Kapseln eben im Restmüll, weil die Nutzer sich eben nicht um das Recycling und die korrekte Entsorgung kümmern. Doch landen die Aluminium-Kapseln im Restmüll, dann werden sie eben einfach als Müll verbrannt und der Wertstoff Aluminium wird damit sinnlos verheizt.

Ein weiteres Problem ist, dass das aus den Kaffee-Kapseln gewonnene Aluminium nicht die selbe Qualität hat, wie das Aluminium, aus dem die Kapseln sind. Deshalb können daraus nicht wieder neue Kaffee-Kapseln gemacht werden, denn diese würden Temperatur und Druck in den Kaffeemaschinen nicht standhalten. Damit lassen sich mit Kaffee-Kapseln aus Aluminium dann eben doch keine geschlossenen Wiederverwertungskreisläufe bilden. Und damit ist auch die Nespresso-Kapsel aus Aluminium kein unproblematisches Produkt.

Kaffee-Kapseln aus Plastik sind sehr schwierig

Richtig übel ist das bei Systemen, die auf Plastik basieren. Nehmen wir die Kapseln von Dolce Gusto als Beispiel. Diese Kapseln, ebenfalls ein System von Nestlé, bestehen aus Plastik. Und zwar aus verschiedenen Sorten, denn der feste Kapsel-Becher ist aus anderem Material, als der folienartige Deckel. Damit nicht genug, in der Kapsel ist auch noch eine Aluminiumfolie und weitere Plastikteile zu finden. Diese Kapseln bestehen also aus einem komplexen Materialmix, der viel schwerer zu recyceln ist. Die verschiedenen Kunststoffe müssen oder müssten erst aufwändig voneinander getrennt werden. Zudem ist es nicht so einfach wie beim Aluminium, dass man einfach einschmelzen kann. Der Wiederverwertungsaufwand ist höher, die Effizient niedriger. Und oft genug werden solche „Verbundsysteme“ gar nicht recycelt, weil der Aufwand zu groß und zu teuer ist. Diese Kapseln tragen also zum Müllberg bei und können höchsten in einer Müllverbrennungsanlage als Heizenergie „endverwertet“ werden. Was die Dolce Gusto-Kapseln von Nestlé betrifft, auch diese sind beim Dualen System Deutschland lizenziert und damit ebenfalls im Gelben Sack/der Gelben Tonne richtig entsorgt.

Kaffee-Kapseln und die Müllberge 1
Problematisch sind komplexe Kapseln, in denen mehrere verschiedene Materialien verbaut sind. Hier ein Querschnitt durch eine Dolce Gusto-Kapsel. 1) Beschrifteter oberer Filmdeckel 2) Kapselhülle 3) Dorn 4) Ablauf 5) Filterboden 6) Boden aus Aluminiumfolie 7) Kammer für Zubereitungspulver (Kaffeemehl / Milchpulver) 8) Kunststoff-Trennfilm 9) Ausgleichskammer (Foto: Wikipedia)

Kaffee in der Kapsel ist aberwitzig teuer

Kapselsysteme haben aber noch ein anderes Problem. Der Kapsel-Kaffee ist einfach saumäßig teuer. Rechnet man den Preis von Kaffeekapseln mal auf den Pfundpreis für Kaffee um, dann wird es echt gruselig. Eine Nespresso-Kapsel beinhaltet je nach Sorte zwischen vier und sieben Gramm Kaffee. Nehmen wir einfach zum rechnen mal 5 Gramm an. Ich habe mal ein Angebot auf Amazon genommen. Hier kosten 50 Nespresso-Kapseln 29,49 Euro.  Das macht für eine einzelne Kapsel 59 Cent. Sprich 5 Gramm Kaffee kosten 59 Cent. Rechnet man das auf ein Pfund Kaffee hoch, kommen wir auf einen Preis von 59 Euro für ein Pfund Kaffee. Verdammt teurer Kaffee dieser Kapsel-Kaffee oder? Für diese 59 Euro kannst Du Unmengen aller beste Bioware aus fairem Handel bekommen. Nehmen wir mal meine Lieblingssorte von der Mainzer Kaffeemanufaktur, für die ich 12 Euro für das Pfund bezahle, dann bekomme ich für die 59 Euro demnach fast fünf Pfund Kaffee.

Besser ohne Kapseln!

Im Prinzip haben Kapselsysteme nur zwei Vorteile. Zum einen sind die Kapseln durch ihre Aromaversiegelung recht lange haltbar und zum anderen ist die Zubereitung sehr einfach und narrensicher. Ansonsten haben Kapselsysteme meiner Meinung nach keinerlei Vorteile. Der Kaffee ist damit aberwitzig teuer. Und ein Thema haben wir hier noch gar nicht angesprochen. Die aufwändige Herstellung dieser Kapseln verbraucht neben Material auch viel Energie.

Aber warum betreibt die Industrie überhaupt dieses Aufwand und bietet diese Kapselsysteme an. Dazu ein Vergleich. Tintenstrahldrucker sind heute oft unglaublich billig. Aber die Tintenpatronen, die Du zum Drucken brauchst, sind dann recht teuer. Der Hersteller der Drucker verdienen an den Verbrauchsmaterialien Tinte (aber auch Toner bei Laser-Druckern) viel mehr, als an den Geräte selbst.

Genau das gleiche Prinzip gilt auch bei den Kapselsystemen. Du wirst durch den Kauf einer Kapselmaschine in eine Abhängigkeit gedrängt und sorgst dann durch den fortlaufenden Kauf der Kapseln – oder Pads – für kontinuierlichen Umsatz. Die Kapselmaschine bekommst Du genau deshalb oft sehr günstig angeboten.

Quellen:
https://www.empa.ch/web/s604/auf-den-kaffee-kommt-es-an
https://www.presseportal.de/pm/22521/4053101

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